Angst ist ein normales Gefühl – auch und gerade bei Kindern. Aber ab wann wird Angst zum Problem? Und wie können Sie Ihr Kind unterstützen?
Entwicklungsbedingte Ängste
Kinder durchlaufen typische Angstphasen:
0-1 Jahr
- Laute Geräusche
- Fremde Personen (ab ca. 8 Monaten)
- Plötzliche Bewegungen von Bezugspersonen
1-3 Jahre
- Trennung (Höhepunkt um 18 Monate)
- Dunkelheit
- Tiere
- Verkleidete Menschen (z.B. Nikolaus)
- Allein sein
3-6 Jahre
- Monster, Geister
- Dunkelheit
- Einbrecher, "böse Menschen"
- Naturphänomene (Gewitter, Feuer)
- Verletzungen, Krankheit, Tod
Warum Kinder Angst haben
Entwicklungspsychologisch
- Fantasie entwickelt sich (Monster werden "real")
- Mehr Wissen, aber noch nicht verstanden
- Kontrollverlust erleben
Überlebensinstinkt
- Angst schützt vor Gefahren
- Evolutionär sinnvoll
- Normal und gesund
Wann Angst normal ist
- Die Angst passt zur Entwicklungsstufe
- Sie tritt in verständlichen Situationen auf
- Sie lässt sich beruhigen
- Sie schränkt das Leben nicht stark ein
- Sie wird mit der Zeit weniger
Warnzeichen: Wann Angst problematisch wird
Dauer
- Hält über Monate unvermindert an
- Wird nicht besser, sondern schlimmer
Intensität
- Extreme Panik
- Körperliche Symptome (Bauchschmerzen, Herzrasen)
- Nicht zu beruhigen
- Gefühl des Kontrollverlustes
Auswirkungen
- Vermeidet viele Situationen
- Soziale Kontakte leiden
- Schlafprobleme
- Entwicklung stagniert
Generaliserung
- Angst weitet sich aus
- Immer mehr Dinge machen Angst
So helfen Sie Ihrem Kind
Angst ernst nehmen
- Nicht kleinreden ("Das ist doch nicht schlimm")
- Nicht schimpfen ("Stell dich nicht so an")
- Verständnis zeigen
Angst benennen
- "Du hast Angst vor dem Gewitter"
- Gefühle anerkennen
- Worte für Gefühle finden
Sicherheit geben
- Nähe anbieten
- Da sein
- "Ich beschütze dich"
Informieren (altersgerecht)
- Erklären, was das Geräusch ist
- Kinderbücher zum Thema
- Wissen baut Angst ab
Bewältigungsstrategien
- Gemeinsam überlegen, was hilft
- Mutmach-Sprüche
- Kuscheltier als Beschützer
- Taschenlampe gegen die Dunkelheit
Nicht vermeiden
- Angstauslöser nicht komplett meiden
- Schrittweise heranführen
- Erfolgserlebnisse schaffen
Was NICHT hilft
- Angst wegdiskutieren
- Kinder zur Konfrontation zwingen
- Auslachen oder beschämen
- Selbst ängstlich sein (überträgt sich)
- Übertrieben beruhigen (bestätigt: Es ist gefährlich)
Wann professionelle Hilfe?
Suchen Sie Beratung, wenn:
- Angst den Alltag stark beeinträchtigt
- Ihr Kind sehr leidet
- Sie selbst nicht mehr weiterwissen
- Die Angst über Monate anhält
- Körperliche Symptome auftreten
Wohin?
- Kinderärzt:in
- Erziehungsberatung
- Kinder- und Jugendpsychotherapeut:in
- Kinder- und Jugendpsychiater:in
Fazit
Die meisten Kinderängste sind entwicklungsbedingt und vergehen. Ihre liebevolle Begleitung – weder dramatisierend noch verharmlosend – hilft Ihrem Kind, mit Ängsten umzugehen und daran zu wachsen.
Dieser Artikel gehört zum Themenbereich Emotionen. Weitere Artikel: Ratgeber für Eltern