Sprachliche Vielfalt als Ressource in der Einrichtung
Mehrsprachigkeit im Kindergarten wertschätzen und pädagogisch nutzen.
"Zu Hause sprechen wir Türkisch" – für manche Fachkräfte ein Problem, für andere eine Chance. Wie Sie Mehrsprachigkeit als Bildungsressource nutzen können.
Mehrsprachigkeit in Österreich
Die Zahlen
Etwa ein Drittel (33%) der Kinder in Einrichtungen hat eine andere Erstsprache als Deutsch
In Wien sind es fast 60%
Rund 250 Sprachen werden in Österreich gesprochen
Mythen und Fakten
Mythos: "Mehrsprachigkeit verwirrt Kinder." Fakt: Das Gehirn ist auf Mehrsprachigkeit ausgelegt. Kinder können problemlos mehrere Sprachen gleichzeitig lernen.
Mythos: "Zu Hause sollte Deutsch gesprochen werden." Fakt: Eine starke Erstsprache ist die beste Basis für den Zweitspracherwerb.
Mythos: "Sprachmischung ist ein Problem." Fakt: Code-Switching ist eine Kompetenz, kein Defizit.
Erstsprache als Fundament
Warum die Familiensprache wichtig ist
Emotionale Bindung zu Eltern
Kulturelle Identität
Kognitive Entwicklung
Basis für weitere Sprachen
Was passiert, wenn die Erstsprache abgewertet wird
Scham über die eigene Herkunft
Kommunikationsprobleme mit Großeltern
Identitätskonflikte
Erschwerte Integration (paradoxerweise)
Pädagogische Grundhaltung
Anerkennung
Alle Sprachen sind gleichwertig
Familiensprache ist keine "Barriere"
Mehrsprachigkeit ist Kompetenz
Jede Sprache verdient Respekt
Wertschätzung zeigen
Nach Wörtern in der Familiensprache fragen
Namen richtig aussprechen (üben!)
Mehrsprachige Bücher bereitstellen
Lieder in verschiedenen Sprachen singen
Nicht abwerten
"Hier sprechen wir Deutsch" vermeiden
Nicht verbieten, in der Familiensprache zu sprechen
Nicht über Sprachen urteilen
Keine Defizitperspektive
Praktische Umsetzung
Grundsätzlich gilt: Die Bildungssprache ist Deutsch. Um den Kindern den Start in die deutsche Sprache zu erleichtern, können folgende Tipps hilfreich sein:
Raumgestaltung
Beschriftungen mehrsprachig
Willkommensgruß in vielen Sprachen
Weltkarte mit Herkunftsländern
Bücher in verschiedenen Sprachen
Materialien
Mehrsprachige Bilderbücher
Musik aus verschiedenen Ländern
Spiele mit mehrsprachigen Elementen
Puppen verschiedener Ethnien
Alltag gestalten
Begrüßung in verschiedenen Sprachen
Zählen in verschiedenen Sprachen
Lieder mehrsprachig singen
Feste verschiedener Kulturen feiern
Eltern als Experten
Eltern einbeziehen
Als Vorleser in ihrer Sprache
Als Kulturvermittler
Bei Festen und Projekten
Als Übersetzer (bei Bedarf)
Kommunikation
Wichtige Infos übersetzt
Dolmetscher bei Elterngesprächen
Wertschätzung der Familiensprache zeigen
Keine Aufforderung, zu Hause Deutsch zu sprechen
Deutschförderung richtig verstanden
Alltagsintegrierte Sprachbildung
Sprachreich gestalteter Alltag
Viel Sprechen mit dem Kind
Handlungen sprachlich begleiten
Interesse an den Äußerungen des Kindes
Was funktioniert
Wiederholende Sprachmuster
Korrektives Feedback (richtig wiederholen)
Offene Fragen stellen
Erzählanlässe schaffen
Was nicht funktioniert
Isolierte Sprachförderung
Nachsprechen lassen
Verbessern und korrigieren
Sprachliche Defizite betonen
Sprachliche Vielfalt als Projekt
Sprachenprojekt
"Wie heißt das auf...?"
Mehrsprachiges Wörterbuch erstellen
Sprachenporträts malen
"Sprachen der Woche"
Eltern einbeziehen
Vorlesen in der Familiensprache
Kochen und dabei erzählen
Feste vorbereiten
Lieder beibringen
Herausforderungen
Wenn Kinder (noch) wenig Deutsch sprechen
Nicht unter Druck setzen
Gestik, Mimik, Bilder nutzen
Einfache Sätze, viel Wiederholung
Zeit geben (stille Phase ist normal)
Wenn Eltern nicht Deutsch sprechen
Dolmetscher organisieren
Wichtiges schriftlich in der Familiensprache
Visuelle Kommunikation
Apps zur Übersetzung (bei einfachen Infos)
Wenn das Team unsicher ist
Fortbildung zur Mehrsprachigkeit
Sprachliche Vielfalt im Team nutzen
Reflexion der eigenen Haltung
Fachliteratur nutzen
Im Team reflektieren
Fragen zur Selbstreflexion
Wie spreche ich über Mehrsprachigkeit?
Welche Sprachen werte ich (unbewusst) ab?
Wie reagiere ich, wenn Kinder nicht Deutsch sprechen?
Sehe ich Mehrsprachigkeit als Chance oder Problem?
Teamvereinbarungen
Alle Sprachen werden wertgeschätzt
Familiensprache wird nicht verboten
Eltern werden als Sprachexperten gesehen
Mehrsprachigkeit wird sichtbar gemacht
Fazit
Sprachliche Vielfalt ist keine Herausforderung, die bewältigt werden muss, sondern ein Schatz, der gehoben werden kann. Kinder, die erleben, dass ihre Sprache und Kultur wertgeschätzt werden, entwickeln ein stabiles Selbstbild – und lernen auch Deutsch besser.
Dieser Artikel gehört zum Themenbereich Inklusion. Weitere Artikel: Fachwissen für Fachkräfte